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GITARREN SIND ZUM PADDELN DA ...

Letztens habe ich ein sehr provokatives Zitat zum Thema Filk von Marion Zimmer Bradley gefunden. Da es an Leserbriefen bisher mangelte, weil sämtliche Leser sich nur mündlich zu unseren Machwerken geäußert haben, habe ich nun einen anderen Weg gefunden, Euch einige Lesermeinungen zu entlocken:  

"Manche Leute, pflegte Ted Sturgon zu sagen, benutzen ihre Gitarre auch dazu, ein Kanu zu paddeln, und das können die meisten "Filk"-Sänger von mir aus auch getrost tun. Ich verabscheue Volksmusik und die ganze sogenannte Filk-Musik, die mir immer vorkommt, als ob Leute, die keine Musik machen können, so tun als ob."

Marion Zimmer Bradley
(aus "Sword and Sorceress")

Ich hatte es schon vorab in einem Buch entdeckt (hatte allerdings nicht in Erinnerung, daß sie sich auf den von mir geschätzten Theodore Sturgon bezog), und ich muß sagen, daß ich mich schon ein wenig aufgeregt und geärgert habe darüber. Vor allem deshalb, weil Zimmer Bradley in der Anthologie noch weitere Sprüche abgelassen hat, die mein Bild von ihr doch arg ankratzten ... Alles in allem hat sie es dadurch effektiv geschafft, sich bei mir unbeliebt zu machen!
    Doch zum Inhalt der Aussage:
    Es ist schade, wenn Marion Zimmer Bradley tatsächlich auf diesem Standpunkt stehen sollte. Filk ist ein umstrittener Aspekt des Science Fiction und Fantasy-Bereiches, das ist nicht zu leugnen, doch die Anhängerschaft wächst und wächst. Ich denke, sie hat eine ganze Menge Leute - unter anderem viele ihrer Fans - ziemlich vor den Kopf gestoßen, indem sie dermaßen vehement ihre Antipathie dagegen bekundete. Musikmäßig gesehen sind die meisten Filksongs wirklich eher dürftig bestückt, doch viele brillieren durch witzige Texte oder wunderschöne Geschichten, die in ihnen erzählt werden. Trifft ein solcher Text noch auf jemanden, der sich aufs Musikalische versteht, entstehen Meisterwerke, die dem üblichen Blabla der meisten Popsongs heutzutage weit überlegen sind! MZB hat anscheinend noch keinen dieser Songs gehört ...
    Die Aussage ist an sich provokativ genug - nur stellte sich bei mit die Frage ein, wie es mit der Glaubwürdigkeit MZB's aussieht! Kurz zuvor hatte ich nämlich noch einen Brief von ihr gelesen (veröffentlicht in einem der 'Darkover'-Fanzines), in dem sie extra auf eine Darkover-Filkkassette hinwies, die unter ihrer direkten, gesanglichen Mitwirkung entstand und auf die sie auch recht stolz zu sein schien.
    Darüber hinaus - was ist so falsch daran, sein Kanu mit einer Gitarre zu paddeln? Wenn nichts anderes vorhanden ist? Es spricht doch für Einfallsreichtum und Originalität - und die besitzen die meisten Filker, die ich 'kenne', durchaus! Die Frage ist dann doch nur, ob man die 'Beleidigung' nicht vielmehr als Kompliment verstehen sollte/könnte.

Petra Hoppe, Bottrop

Fiktiver Offener Brief an Marion:
    Tja, liebe Marion, es soll Leute geben, die da ganz Deiner Meinung sind, wenigsten was deutsche Volksmusik angeht und auch deutsch betextete Filklieder. Allerdings würde ich das ganze Thema nicht so verbissen sehen wie Du - solange man mich nicht zum Mitsingen zwingt! Aber das ist ein anderer Fakt.
    Ich habe gute und schlechte Filksongs gehört, die deutschen waren leider meist die schlechteren, vor allem was die manchmal wirklich unmöglichen Texte betrifft. Die Melodien sind aber zum Glück nicht ganz so grausig. Auch besteht ja ein - meiner Meinung nach - recht großer Unterschied zwischen den Themen, die diese Lieder beinhalten können und damit leider auch in der Qualität. Und da kommen Filksongs zu Star Trek nicht so gut weg. Aber wie gesagt, daß ist meine Meinung, und die ist ja genauso frei wie Deine oder irgendeine andere. Und nur weil Du dem Ganzen nichts abgewinnen kannst, werden die Filker nicht aufhören, gehörig produktiv zu sein. Aber keiner Zwingt zum zuhören oder gar mitmachen.
    Aber das Für und Wider ist ja vielleicht gar nicht das eigentliche Thema!? Kann es sein, daß wir uns über "das Unverständnis für Kreativität, die Fans entwickeln" unterhalten sollten? Oder besser über "die Toleranz der Meinungen"?
    Eigentlich, liebe Marion, solltest Du Dich darüber freuen, daß die Menschen, die Deine Bücher und Geschichten Lesen, diese nicht einfach nur passiv konsumieren, sondern sich aktiv damit auseinandersetzen, sich inspirieren lassen und kreativ werden. Ist es nicht ein schönes Gefühl, mit seinen eigenen Werken andere zu "Eigenleistungen", egal in welcher Form, anzuregen? Ich glaube, darüber sollten alle "Meckerer" (auch wenn das Wort hier ein wenig hart klingt) mal nachdenken.

Bettina Buntschuh, Berlin

    Vorausschicken möchte ich, daß ich ihre Meinug toleriere, wenn ich sie auch nicht teile. Ich behaupte nicht,daß ich totaler Filk-Fan bin, aber ich sehe darin eine von vielen Möglichkeiten, seine Empfindungen zu bestimmten Themen o.a. zu äußern. Man muß nicht das Hauptaugenmerk auf Musikalität legen. Mich interessieren aussagefähige einprägsame Texte und Melodien. Besonders einfach wird das, wenn man auf schon vorhandene Melodien andere Texte setzt. Und Volkslieder eignen sich dafür ziemlich gut. Übrigens, wieso werden oder sollen Filkies nur von Gitarre begleitet werden. Ich finde, auch Akkordeon eignet sich beispielsweise ganz gut.
    Außerdem bieten Filkies Gelegenheit, Dinge zu sagen, die man sonst nicht so darlegen kann oder man offen-bart eigene Wünsche und Sehnsüchte. Es mag nicht alles gut sein, aber das zu beurteilen ist meistens nicht einfach, da jeder andere Maßstäbe ansetzt.
    Mir kommt MZB's Meinung etwas oberflächlich vor, schließlich ist Volksmusik ein Massenausdrucksmittel und hat außerdem lange Tradition.
    Nun, MZB mag weder Volksmusik noch Filk, okay, es gibt auch Leute, die ihre Bücher nicht mögen, wozu ich mich nicht zähle, da ich ihre Romane hervorragend finde und großer DARKOVER-Fan bin (Da bist Du schon die fünfte hier bei den Fanzinemitarbeitern! - Wolln wir nicht 'n Club gründen? K.S.) und es schadet keinem. Schließlich sind nicht alle Menschen gleich und das wäre ja auch langweilig und eintönig. Wie würde ein gewisser Vulkanier sagen:
    Nur unendliche Vielfalt in unendlicher Kombination gewähleistet Fortschritt, Vernunft und Neugier.
    Dem kann ich mich nur anschließen, denn gerade die Verschiedenartigkeit (momentan von uns Menschen) bietet faszinierende Möglichkeiten. Man muß nur versuchen, sie zu erkennen. Und das Wichtigste, sie zu nutzen. So, das war meine bescheidene Meinung zu diesem Zitat. Das ließe sich noch lange ausbauen, aber ich möchte mich nicht weiter darüber auslassen, weil ich MZB's Gründe für diese Ansicht nicht kenne.

Annett Kittner, Chemnitz

    Ja, ich kenne auch diverse Leute, die ihre Gitarre zu paddeln benutzen. Es gibt auch Leute, die die Gitarre auf der Bühne zerschlagen, nur weil es ihnen Spaß macht, oder weil das Publikum es gerne so hätte. Es gibt auch genug Leute, die keinen Draht zur Volksmusik haben. - Ich gehöre zum Beispiel auch dazu. Meine Musik ist in erster Linie Folk (ich nehme mal an gerade diese meinte MZB, da sie wohl kaum unsere deutsche kennt -oder!? K.S.) und Country-Musik. Trotzdem behaupte ich nicht, daß Volksmusik schlecht ist und nur von Antimusikern gespielt wird. Meine Güte, man sollte als erwachsener Mensch doch etwas mehr Toleranz zeigen. Aber dies ist in der heutigen Zeit ja zu einem Fremdwort geworden. Schade. Wenn ich ein Kanu und eine Gitarre hätte, würde ich diesen Typ in das Kanu setzen. Zuvor würde ich allerdings ein Loch in das Kanu bohren. (Wie war das doch gleich mit der Toleranz??? K.S.)

Dirk Stursber, Wuppertal

    Irgendwie war ich entsetzt, gerade von Marion Zimmer Bradley ein solches Zitat zu finden, da ich ja Darkover-Fan bin und auch sonst ihre Bücher gern lese.
    Bei der Filkmusik ist es sicher wie bei jeder anderen Musikstilrichtung: Es gibt Profis wie Julia Ecklar, Kathy Mar und Meg Davis, bei denen stimmt alles, Musik, Texte und Technik. Dann gibt es wiederum Leute, die nur ein Talent haben: Texte schreiben oder Musik machen oder singen oder ein Instrument spielen. Und es gibt Leute, die können von jedem ein bißchen und manches klingt ein wenig schief. Aber eins haben alle gemeinsam - den Spaß an der Sache. Und auch nichtprofessionelle Filker können ganz gut eine Masse Leute unterhalten, wie sich auch bei uns öfter herausgestellt hat. (Wer's nicht mag, soll halt weghören!)
    Auf der anderen Seite gibt es in Amerika eine Reihe Filkkassetten, bei denen man wirklich nicht mehr als zehn Minuten aushält. Vielleicht ist gerade so eine Truppe Marion Zimmer Bradley über den Weg gelaufen, und sie hat sich einfach in Zukunft von solchen Dingen ferngehalten und somit keine positiven Erfahrungen gemacht. Außerdem schränkt sie ihr Zitat ein, indem sie nicht schreibt "alle" sondern "die meisten". Ich habe z. B. auch positives von ihr gelesen über Cynthia McQuillins Stimme.
    Wir jedenfalls sollten zu unserem Hobby stehen. Außerdem hat ja jeder mal klein angefangen, und man ist ja schließlich nie zu alt, was neues zu lernen. Vielleicht gibt es ja auch in unseren Reihen den einen oder anderen zukünftigen Profi.

Kirstin Scholz, Berlin


Zusatz / Anmerkung von Kirstin Scholz:
Inzwischen hat MZB selber eine - übrigens sehr schöne - Filkkassette, mit dem Titel "The Starlit Jewel" herausgebracht. Scheint so als ob sie ihre meinung geändert hätte ;-)

 

Nächste Contermine:

Filk-Convention

FilKONtario 20
2010-04-09 bis 2010-04-11
Mississauga, ON, Kanada
GOH: Jeff & Maya Bohnhoff Filk Waif: Erica Neely Interfilk: Mark Simmons

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Filk-Convention

FilKONtario 20
2010-04-09 bis 2010-04-11
Mississauga, ON, Kanada
Guests of Honour: Jeff and Maya Bohnhoff, Filk Waif: Erica Neely, Interfilk guest: Mark Simmons

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Filk-Convention

Conterpoint 2010 - NEFilk 20: The Twentieth NorthEast Filk Convention
2010-06-25 bis 2010-06-27
Rockville, Maryland, USA
Guests of Honor: Ed Stauff and Mary Ellen Wessels, Toastmaster: Juanita Coulson, Listener Guests: Jonathan and Debbie Baker, Interfilk Guest: Char MacKay

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Filk-Convention

OVFF 26
2010-10-22 bis 2010-10-24
Worthington, Ohio, USA
Guest of Honor: Urban Tapestry, Toastmaster: Mitchell & T.J. Burnside-Clapp, Honored Listener: Kathleen Sloan, Interfilk Guest: Tim Jennings

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   Diese Seite wurde am
   27. April 1999 von
   Kirstin Tanger erstellt.
 

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